Das Mädchen 2019
Fotografie, 53 x 35 cm, drei Kopfhörer mit Haltevorrichtung, drei erfundene, vertonte Erzählungen über das auf der Fotografie abgebildete Mädchen


Rauminstallation aus einer Fotografie und drei Audio-Sationen mit Kopfhörern. Die entrahmte Schwarzweißfotografie aus den 1920ern zeigt ein festlich gekleidetes Mädchen. Die Abbildung ist Ausgangspunkt für drei erfundene Geschichten von drei Erzählern, die in der Ich-Perspektive über den Zeitpunkt der Aufnahme und die Gedanken der Porträtierten geschrieben haben. Die Geschichten wurden von einem Mädchen vorgelesen und vertont. An jeder der Audio-Stationen wird beim Abheben eines Kopfhörers je eine Geschichte abgespielt.

»Sind wir jetzt fertig? Ich schau ganz schnell raus. Vielleicht merkt er ja nix. Ganz schnell gucken und zurück zur Kamera. Oh nein, draußen scheint die Sonne. Ich schau ganz schnell zurück. Dann merkt er nix. Ich lächle. Vorhin hat die Sonne noch nicht geschienen. Mist, Papa, hat gemerkt, dass ich rausgeguckt hab. Martin und Laura spielen draußen auf der Straße mit meinem Ball und die Sonne scheint heute zum ersten Mal seit Tagen. Letzte Woche hat´s nur geregnet. Die ganze Welt war grau grau grau. Ich war tagelang nur in meinem Zimmer. Das war so langweilig. Papa, ich hab den ganzen Tag gelernt und Klavier geübt und Gymnastik und Hausaufgaben hab ich gemacht. Und heute Morgen, da hat Mama mir die Haare gedreht und mir das doofe Kleid angezogen, das sie mir in der Stadt ausgesucht hat – ohne mich. Ich darf da ganz sicher nicht drin spielen.«
Auszug aus dem Text von Hannah-Sophie Schäfer


 
Fotos: Marius Heimburger